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Ausbildung eines Amateur-Rennreiters Galopp Schweiz und der Schweizer Rennreiter-Verband führen seit einigen Jahren, mit der grosszügigen Unterstützung des Jockey-Clubs und der Rentenanstalt ein Trainingslager durch. Junge Reiterinnen und Reiter erhalten da die Möglichkeit erstmals in einem professionellen Rennstall zu reiten, Kontakte zu knüpfen, Trainingspläne für die eigene Fitness zu erarbeiten und theoretischen Wissen in den Bereichen der Pferdehaltung, des Rennenreitens und der Ernährung zu erwerben.
Für eine Teilnahme am Trainingslager setzten wir jedoch gute reiterische Grundkenntnisse voraus. Im Idealfall hat der junge Reiter bereits an Spring- oder Militaryprüfungen teilgenommen. Rennreiten ist in diesem Bereich wie Skifahren. Damit man bei einer Abfahrt gerade hinunter fahren kann, benötigt es auch etwas mehr als nur Mut.
Hat eine Reiterin oder ein Reiter das Trainingslager besucht und einige Zeit in einem Rennstall geritten, so kann er sich an die Lizenzprüfung zum Amateurrennreiter anmelden. Vorausgesetzt er arbeitet nicht im Rennstall! Wäre dem so, so müsste er denn Weg zum Berufsrennreiter via einer 3jährigen Lehre einschlagen.
Trainingslager 2000 vom Sonntag, 6. August 2000 bis Freitag, 11. August 2000
Um in den Rennen selbst zu bestehen gibt es leider kein Rezept. Taktische Fähigkeiten, Einfühlungsvermögen, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit, Mut und Frechheit gehören wohl zu den wichtigsten Fähigkeiten die gute Rennreiter besitzen. Ein Rennverlauf muss man sich vielleicht wie ein Formal 1-Rennen vorstellen. Alle haben +/- den selben "Waagen". Einige sind etwas schneller, die anderen lassen sich etwas besser fahren, nochmals andere beschleunigen schneller. - Und schlussendlich gewinnt derjenige der "seine" Stärken am ökonomischsten eingesetzt hat.
Rennreiter sind im Vergleich zu Reitern anderer Pferdesportarten wohl ausgesprochen aggressiv. Der Vergleich 1 : 1, das Reiten Stiefel-an-Stiefel bei Geschwindigkeiten bis zu 60 Km/h und die erhebliche Unfallgefahr lassen Pferderennen für die einzelnen Beteiligten beinahe zur Kampfsportart verkommen. Um dies einmal 1 : 1 mitzuerleben rate ich Ihnen, bei ihrem nächsten Besuch von Pferderennen einmal ein Rennen im Einlaufbogen zu verfolgen!
All die Emotionen, die Up-and-Down's die in einem Rennen und im Rennsport überhaupt, die von einem Rennreiter durchlebt werden machen wohl die "Faszination Rennreiten" aus. In einem Cross-Country Rennen zum Beispiel, kreuz und quer auf der Rennbahn herum; Am Start bockt ihr Pferd - dann Start - ihr Pferd pullt und sie können es kaum halten, die ersten Sprünge springt ihr Pferd miserabel - irritiert von all den anderen Pferden - ein Kollege stürzt gerade vor ihnen - sie können im gerade noch ausweichen - dann der grosse Tribünen-Sprung und durch's Wasser - dann, nach rund 5 Minuten Renndauer in die Zielgerade - das Pferd kann noch zulegen - 10'000 Zuschauer schreien. So geht das! Hat man ein Hoch, so kann man mehrere Rennen hintereinander gewinnen und bringt eine Waschmaschine zum Fliegen. Anderseits kann es einem auch passieren dass man zu Fuss oder gar im Krankenauto zurück kommt. Die Nähe zwischen Sieg und Misserfolg ist im Rennsport wohl ganz extrem.
Schweizer Amateursport
Wie bereits angesprochen unterscheidet sich der Amateurrennreiter v.a. dadurch vom Berufsrennreiter, dass er eben noch berufstätig ist. Die Schweizer Amateur gehören Weltweit zu den Erfolgreichsten überhaupt. Zusammen mit Frankreich, England und teilweise Deutschland gehört die Schweiz zu den grössten und bedeutesten Amateurrennreiter-Nationen.
Auch heute, wo sich unser Sport nach und nach professioneller präsentiert gewinnen Amateure "Grosse Preise" über die Sprünge oder gar "Listen Rennen" auf der Flachen. Dies ist heutzutage nicht mehr derart oft der Fall wie noch vor 10 Jahren, doch gelingt es nach wie vor jedes Jahr wieder der einen oder dem anderen. Erfolge gegen etablierte Berufsrennreiter oder zumindest der regelmässige Vergleich ist dann auch der Grund für das hohe reiterliche Niveau Schweizer Amateure. Es ist daher eminent wichtig, dass uns diese Möglichkeit auch in Zukunft erhalten bleibt. Dies ist nicht nur für die aktiven Amateure und für die Nachwuchsförderung wichtig. Viele Amateure und beinahe alle mit grösseren Erfolgen sind später in anderen Funktionen im Rennsport tätig und bringen dort ihr Know-how in den Sport ein. Der Schweizer Rennreiter-Verband mit seinen über 400 Mitgliedern wurde so zur Brutstätte praktisch aller Schweizer Trainer, etlichen Besitzern und diversen Funktionären und Veranstaltern.
Der Schweizer Rennreiter-Verband hält u.a. auch die Beziehungen zu ausländischen Organisationen, namentlich der Fegentri (Weltamateur-Verband) aufrecht. Die Fegentri veranstaltet jährlich eine Amateur-Weltmeisterschaft mit Rennen in 20 Mitgliedsländern.
In einem Punkte System wird per Ende Jahr jeweils eine Weltmeisterin und ein Weltmeister gekürt. Für die Frauen finden rund 20 Rennen auf der Flachen und für die Männer 40 Rennen, davon 15 über Hindernisse statt. Die erfolgreicheren Nationen, wozu die Schweiz seit Gründung der Fegentri 1955 gehört, senden ihre Vertreterinnen rund 10 und ihre männlichen Vertreter rund 25 mal an den Start. Dank der grosszügigen Unterstützung von Galopp Schweiz und Swissair können hierbei die Reisekosten der Schweizer Teilnehmer um rund 60 % vermindert werden.
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